Förderung der Entgeltgleichheit in Hessen

Beitrag des Hessischen Lohnatlas und der darauf bezogenen Aktivitäten seit 2017

Die Unterstützung der Schaffung von Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern in Hessen steht schon seit vielen Jahren auf der Agenda der hessischen Landesregierung. Dahinter steht die Erkenntnis, dass die noch bestehende Entgeltungleichheit zum Nachteil von Frauen nicht nur ein Thema der Geschlechtergerechtigkeit, also der gleichen Chancen von Frauen und Männern darstellt, sondern auch eine wichtige wirtschaftliche Dimension hat.

Frauen bauen über Ausbildung und Studium im Schnitt genau so viel Bildungskapital wie Männer auf. Wenn es jedoch darum geht, dieses Bildungskapital in Einkommen umzusetzen, zeigen sich große Unterschiede in den durchschnittlichen Einkommenshöhen von Frauen und Männern. Beispielsweise verdienten Frauen, nach dem Hessischen Lohnatlas, in einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung in Hessen im Jahr 2018 immer noch knapp 12 Prozent weniger als Männer.

Die Lohnlücken haben Folgen. Diese zeigen sich unter anderem in der schlechteren sozialen Absicherung von Frauen, sei es am Phänomen der Altersarmut oder im Falle einer Scheidung, wenn sich für alleinerziehende Mütter schnell wirtschaftlich prekäre Situationen ergeben können. Es sind jedoch nicht nur diese sozialen Folgen. Auch Auswirkungen für Arbeitsmarkt und Wirtschaft sind damit verbunden. Denn dahinter steht auch, dass die Potenziale von Frauen nicht voll erschlossen werden, sei es für die vielen Führungs- oder Fachkräftepositionen, die durch den immer größer werdenden Fachkräftemangel schon heute sehr schwierig zu besetzen sind. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben hier in den meisten Branchen und Berufsgruppen zu keiner Veränderung der Lage geführt. Es gibt also viele Gründe, warum es wichtig ist, den Abbau von Entgeltungleichheit zu forcieren.

Die hessische Landesregierung hat bereits seit 2017 gezielt Aktivitäten zum Abbau von Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern initiiert. Da in dieser Thematik die Gesetzgebungskompetenz ausschließlich auf Bundesebene liegt, kann die hessische Landesregierung ausschließlich untergesetzliche Maßnahmen umsetzen. Zum einen handelt es sich um Maßnahmen zur Schaffung von möglichst viel Transparenz hinsichtlich der Entgeltlage von Frauen und Männern im Vergleich. Dafür wurde der Hessische Lohnatlas erstellt. Zum anderen werden basierend auf der erzeugten Transparenz gezielt Aktivitäten angeregt.

Der Hessische Lohnatlas schließt eine Informationslücke. Denn die bisher vorliegenden öffentlichen Daten zur Entgeltgleichheit erlauben nur Einblicke zur Lage auf Bundes- oder Landesebene. Da jedoch Maßnahmen direkt vor Ort in den Kommunen umgesetzt werden sollen, bedarf es deutlich differenzierter, also regionaler Daten. Mit dem Hessischen Lohnatlas wurde im Jahr 2017 erstmals in einem deutschen Bundesland ein Zahlenwerk vorgelegt, das für jeden Kreis und jede kreisfreie Stadt in Hessen Daten zur Entgeltlage von Frauen und Männern ausgewiesen hat. Schon im Jahr 2017 wurde deutlich, dass die Entgeltlücken zwischen den einzelnen Regionen unterschiedlich groß sind. Auch konnte gezeigt werden, dass zwischen verschiedenen Berufsfeldern ebenfalls deutliche Unterschiede bei den Entgeltlücken zwischen Frauen und Männern bestehen. Zurückgeführt werden konnten diese Lücken auf das unterschiedliche Berufswahlverhalten von Frauen und Männern, wonach Frauen häufiger Berufe, beispielsweise im sozialen Bereich, mit geringeren Entgelten wählen als dies Männer tun. Zudem wurde deutlich, dass Frauen deutlich geringere Einkommensentwicklungen als Männer haben. Bedingt durch oft familiäre Ausfallzeiten, steigen Frauen im Schnitt deutlich langsamer auf als Männer, was ebenfalls eine Ursache für unterschiedliche Entgelte von Frauen und Männern darstellt.

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen wurden nach der Herausgabe des Lohnatlas im Jahr 2017 in Kooperation mit den kommunalen Frauenbeauftragten, unter Einbindung von Politik und Wirtschaft vor Ort, erfasst, ob und wie die Berufsorientierung verändert werden könnte, um das Berufsspektrum für Frauen zu erweitern. Zum anderen erfolgte eine Sondierung der Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie, um diese noch besser darauf ausrichten zu können, die Potenziale von Frauen effizienter zu nutzen als bisher. Die vielen Diskurse und Aktivitäten vor Ort zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Erwerbstätigkeit von Frauen haben wichtige Impulse gesetzt. Jedoch wurde auch deutlich, dass die Wirtschaft bzw. die Betriebe selbst stärker eingebunden werden sollten, um die noch bestehende Entgeltungleichheit zu reduzieren.

Im Jahr 2020 wird deshalb eine Neuauflage des Hessischen Lohnatlas vorgelegt. Darin sind die Daten aus dem Atlas von 2017 weiter fortgeschrieben. Ein besonderer Fokus wird auf die Entgeltlage von Frauen und Männern in der Wirtschaft bzw. den Betrieben in den Regionen vor Ort gelegt. Entsprechend erfolgte in der jetzt vorgelegten Neuausgabe auch eine deutliche thematische Erweiterung. Die Neuauflage 2020 des Hessischen Lohnatlas schafft noch weitergehende Transparenz als die Erstauflage im Jahr 2017. Sie zeigt auch, wie sich die Größen der Entgeltlücken in den vergangenen Jahren entwickelt haben und wie sich erste Fortschritte abzeichnen.

Aufbauend auf die jetzt mögliche Transparenz sollen ebenfalls Aktivitäten entwickelt werden. Diese bestehen besonders darin, Betriebe anzuregen, auf eine Verringerung der Entgeltlücken hinzuwirken. Zentral ist dabei, zu zeigen, wie dies gehen kann. Beispiele Guter Praxis aus Betrieben und weitere Unterstützungsangebote können hier helfen. Zudem führt die hessische Landesregierung den sogenannten Sozialpartnerdialog fort. Gerade mit den Sozialpartnern wird dort sondiert, wie Betriebe und ihre Belegschaften davon überzeugt werden können, Maßnahmen zum Erreichen von mehr Entgeltgleichheit von Frauen und Männern umzusetzen.

Vielen Dank für Ihr Interesse. Sie finden den neuen Hessischen Lohnatlas aus dem Jahr 2020 auf dieser Webseite. Wir hoffen, dass dieser Ihnen hilft insbesondere vor Ort Diskurse und Aktivitäten anzuregen, die die Entgeltgleichheit in Hessen fördern können.


Grußwort

von Kai Klose, Minister für Soziales und Integration in Hessen


Daten aus dem weiterentwickelten und aktualisierten Hessischen Lohnatlas

von Dr. Christa Larsen, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Goethe-Universität


Entgeltgleichheit in Betrieben – das rechnet sich! Betriebe zeigen wie es geht.

von Frank Rohde, Adobe Systems


von Nina Keim, Salesforce


von Leópold Kristjánsson, PayAnalytics


Perspektiven und Unterstützung

von Thomas Fischer, Leiter des Referats Arbeitsmarkt in der Gleichstellungsabteilung, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend


von Christine Gräbe, FAIR PAY INNOVATION LAB


Ausblick – Wie geht es weiter?

von Maja Weise-Georg, Abteilung III Arbeit, HMSI