Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern gezielt und nachhaltig fördern
Der Hessische Lohnatlas schafft Transparenz in Hessen und seinen Regionen. Seit 2012 hat sich die durchschnittliche Lohnlücke mehr als halbiert. Nicht überall in gleichem Maße. Beim Vergleich von Berufen, Branchen und Regionen wird die Parallelität von bereits erreichter Entgeltgleichheit und noch vorhandenen Lohnlücken sichtbar.
Der Hessische Lohnatlas ist bei der Stabsstelle Fachkräfte für Hessen verortet. Damit kann der Zusammenhang zwischen Fachkräftesicherung und Verbesserung der Entgeltlage von Frauen noch besser erfasst werden.
Liebe Leserinnen und Leser,
in diesen von vielfältigem Wandel geprägten Zeiten setzt sich der positive Trend bei der Entwicklung der Lohnlücke in Hessen weiter fort. Die neuesten Daten aus der Aktualisierung des Hessischen Lohnatlas zeigen, dass die Lohnlücke im Jahr 2024 auf 6,9 Prozent gesunken ist. Im Jahr 2023 betrug sie noch 8,0 Prozent. Damit wird ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Entgeltgleichheit sichtbar.
Seit 2012 werden die Lohnlücken in Hessen im Hessischen Lohnatlas statistisch erfasst. Über diesen Zeitraum hinweg ist ein deutlicher Rückgang zu beobachten. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung differenziert: Zwischen Regionen, Branchen, Berufssektoren und Stellenniveaus bestehen weiterhin teils erhebliche Unterschiede.
Besonders günstig gestalten sich die Entwicklungen weiterhin auf Stellen für Fachkräfte. Über alle Berufsgruppen hinweg beträgt die Lohnlücke hier im Jahr 2024 nur noch 2,7 Prozent. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wirken sich an dieser Stelle mehrere Faktoren aus. Dazu zählen insbesondere Entgelterhöhungen in den Sozialberufen und in der öffentlichen Verwaltung mit hohen Frauenanteilen sowie die Erhöhung des Mindestlohns, von dem Frauen überdurchschnittlich stark profitieren.
Am bemerkenswertesten ist jedoch der deutliche Rückgang der Entgeltlücken auf Stellen mit Führungsverantwortung. Nach vielen Jahren der Stagnation bildet sich hier nun erstmals eine positive Entwicklung ab. Der innerbetriebliche Aufstieg von Frauen zeigt sich damit zunehmend deutlicher.
Begünstigt wird diese Entwicklung durch verschiedene Faktoren. Dazu gehören sehr gut qualifizierte und ambitionierte junge Frauen ebenso wie starke weibliche Vorbilder in Führungsetagen, diversitätsorientierte Betriebskulturen sowie strukturelle Öffnungen für Führung in Teilzeit. Diese Faktoren wirken bereits heute in unterschiedlichen Branchen und Betriebstypen. Sie verdeutlichen, dass sich Wandel konkret in der Praxis niederschlägt und Frauen bei innerbetrieblichen Aufstiegen sowie bei ihrem Anspruch auf gleiche Entgelte für gleichwertige Arbeit stärkt.
Mit dieser Teilaktualisierung gehen wir einen weiteren Schritt hin zu mehr Transparenz im Arbeitsmarkt. Die neue Betrachtung der Lohnlücken nach Stellenniveaus und Altersgruppen macht innerbetriebliche Aufstiegsprozesse besser sichtbar und zeigt, wie berufliche Entwicklung innerhalb von Betrieben verläuft. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass innerbetriebliche Aufstiegswege an Bedeutung gewinnen und Entwicklungschancen zunehmend innerhalb von Unternehmen entstehen.
Der Hessische Lohnatlas bildet Entwicklungen zur Verbesserung der Entgeltgleichheit auf Grundlage umfangreicher Daten transparent ab und zeigt die heterogenen Lagen der Lohnlücken in Hessen differenziert auf. Damit schafft er eine belastbare Grundlage für Analysen und für die Entwicklung gezielter Maßnahmen zur weiteren Verbesserung der Entgeltgleichheit.
Ich hoffe, dass die vorliegende Ausgabe des Hessischen Lohnatlas wertvolle Informationen und Anregungen für Ihre Arbeit bietet.
Ihre
Teilaktualisierung bis 2024
Mit der Teilaktualisierung werden die Entgeltdaten des Hessischen Lohnatlas bis zum Jahr 2024 fortgeschrieben. Damit steht eine aktuelle Datengrundlage zur Analyse der Lohnlücken in Hessen zur Verfügung.
Zentrale Befunde
- Im Jahr 2024 beträgt die Lohnlücke der Einwohnerinnen und Einwohner in sozialversicherungspflichtiger Vollzeitbeschäftigung in Hessen noch 6,9 Prozent. Die Lohnlücke ist im Vergleich zum Vorjahr weiter zurückgegangen.
- Die Größen der Lohnlücken variieren zwischen den Kreisen und kreisfreien Städten in Hessen stark, sind jedoch überall in Hessen zwischen 2012 und 2024 deutlich kleiner geworden. Besonders groß fallen die Rückgänge in den Lohnlücken in Regionen mit hohem Fach- und Arbeitskräftemangel aus, insbesondere seit dem Jahr 2022.
- Große Unterschiede bei den Lohnlücken bestehen weiterhin bei Führungsstellen, während Fachkraftfunktionen und Helferstellen deutliche Fortschritte in Richtung Entgeltgleichheit zeigen. Jüngere Frauen konnten ihre Entgelte besonders auf Fachkraft- und Expertenstellen an die der Männer angleichen, ab etwa 35 Jahren nehmen die Unterschiede wieder zu, unter anderem aufgrund von Unterbrechungen im Erwerbsverlauf.